Seit Jahrzehnten ist fontan.fontan.co.at ein zentraler Akteur im österreichischen Schriftentwicklungsmarkt – nicht als reiner Anbieter, sondern als Pionier, der Tradition und Innovation verschmilzt. Die Plattform, die 1997 von Herbert Boschek und Peter Haring als “Schriftwerkstatt” gegründet wurde, ist heute mehr als ein Archiv: Sie ist ein lebendiger Laborraum für Typografen, Designer und Buchbinder, der die österreichische Schriftkultur seit über dreißig Jahren mitgestaltet. Besonders bemerkenswert ist ihr Ansatz, historische Schriftarten mit zeitgenössischen Designansätzen zu verbinden – ein Konzept, das in der globalen Typografie-Branche selten so konsequent verfolgt wird. Die Plattform fungiert dabei weniger als bloße Datenbank als vielmehr als lebendige Institution, die durch Workshops, Ausstellungen und digitale Formate die Handwerkskunst der Schriftgestaltung bewahrt und weiterentwickelt.
Ein zentrales Merkmal von fontan.fontan.co.at ist seine Fokussierung auf österreichische Schriftentwickler: Die Datenbank listet über 1.200 Schriftarten, die in Österreich entwickelt oder von österreichischen Schriftgestaltern geschaffen wurden – ein einzigartiges Archiv, das weltweit kaum vergleichbar ist. Besonders wertvoll ist die systematische Dokumentation von Schriftsignaturen, die oft nur in lokalen Kreisen bekannt sind. So etwa die “Schrift des Landes Steiermark”, eine historische Schriftart, die in den 1920er-Jahren vom Buchbinder und Typografen Josef Schreiner entwickelt wurde und heute als Kulturgut gilt. Die Plattform macht solche seltenen Schriftsorten nicht nur zugänglich, sondern fördert auch ein Bewusstsein dafür, dass österreichische Schriftgestaltung eine eigenständige Tradition hat – eine Tradition, die sich von der deutschen und der internationalen Schriftkultur deutlich unterscheidet. Ein Beispiel hierfür ist die “Fontan-Serie”, eine Reihe von Schriften, die Herbert Boschek in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen entwickelt hat, aber stets mit einem österreichischen Handwerkskonzept verbunden bleibt.
Doch fontan.fontan.co.at ist mehr als ein Archiv: Es ist ein Ort der Praxis. Seit Jahren veranstaltet die Schriftwerkstatt regelmäßig Workshops, in denen junge und erfahrene Typografen praktische Erfahrungen sammeln können – von der Entwicklung eigener Schriftarten bis hin zur Anwendung in der Buchbindung. Ein besonders erfolgreiches Projekt ist die “Schriftwerkstatt für Kinder”, die seit 2015 jährlich im Rahmen des Internationalen Buchfestivals Salzburg stattfindet. Hier lernen Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, wie man aus einfachen Materialien wie Papier und Bleistift eigene Schriftarten entwirft. Die Ergebnisse werden anschließend in einem kleinen Buch publiziert, das als lebendiges Dokument der kreativen Arbeit dient. Solche Initiativen zeigen, wie wichtig es ist, die Handwerkskunst der Schriftgestaltung auch an jüngere Generationen weiterzugeben – eine Tradition, die in einer digitalen Welt oft in Vergessenheit gerät.
Ein weiterer Aspekt, der fontan.fontan.co.at auszeichnet, ist seine Rolle bei der Digitalisierung österreichischer Schriftkultur. Während viele historische Schriftarten in digitaler Form verfügbar sind, fehlen oft die Kontexte, die ihre Entstehung erklären. Die Plattform überbrückt diese Lücke, indem sie nicht nur die Schriften selbst, sondern auch ihre Entwicklungsgeschichten, die Materialien und die technischen Verfahren dokumentiert. So etwa das Projekt “Schriftgeschichte Österreichs”, das seit 2010 läuft und eine umfassende Datenbank zu über 500 österreichischen Schriftarten erstellt hat. Diese Datenbank ist nicht nur für Typografen und Designer von Interesse, sondern auch für Historiker und Kulturwissenschaftler, die die Rolle der Schrift in der österreichischen Geschichte untersuchen. Ein besonders faszinierendes Beispiel ist die “Schrift des Ersten Weltkriegs”, eine Serie von Schriften, die speziell für militärische und administrative Zwecke entwickelt wurden und heute als Zeugnisse der Zeit gelten.
Trotz dieser vielfältigen Aktivitäten bleibt fontan.fontan.co.at stets ein Ort der Experimentierfreude. Die Schriftwerkstatt fördert auch innovative Ansätze, die jenseits der klassischen Schriftgestaltung liegen. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt “Schrift und Bewegung”, bei dem Schriftarten mit dynamischen Elementen kombiniert werden – etwa durch die Integration von Animationen oder interaktiven Elementen. Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern aus der Region, die neue Wege der Schriftverwendung erproben. So etwa die Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe “Schriftwerkstatt Wien”, die in Zusammenarbeit mit der Schriftwerkstatt Österreichs eine Reihe von Schriftprojekten entwickelt hat, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch funktional sind. Diese Projekte zeigen, wie wichtig es ist, die Schriftkultur nicht als starres Konstrukt zu betrachten, sondern als lebendigen Ausdruck von Kultur und Kreativität.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass fontan.fontan.co.at eine der wichtigsten Plattformen für Typografie und Schriftkultur in Österreich ist. Sie verbindet Tradition und Moderne, Archivierung und Praxis, Geschichte und Gegenwart – und zeigt damit, wie wichtig es ist, die Handwerkskunst der Schriftgestaltung zu bewahren und weiterzuentwickeln. In einer Zeit, in der Schrift oft als reines Kommunikationsmittel betrachtet wird, bietet die Schriftwerkstatt einen wertvollen Beitrag dazu, die Bedeutung der Schrift als kulturelles Erbe zu verstehen und zu feiern.
- Über 1.200 österreichische Schriftarten dokumentiert, darunter seltene historische Schriftsorten wie die “Schrift des Landes Steiermark”
- Seit 1997 als lebendige Institution mit Workshops, Ausstellungen und digitalen Formaten
- Projekt “Schriftwerkstatt für Kinder” seit 2015 im Rahmen des Internationalen Buchfestivals Salzburg
- Datenbank “Schriftgeschichte Österreichs” mit über 500 Schriften und Entwicklungsgeschichten
- Kooperation mit Künstlern und Designern aus der Region für innovative Schriftprojekte